Vortrag "Selbstfindung als Weg - Über den Parzival des Wolfram von Eschenbach"

Datum: 
Mittwoch, 22. Oktober 2003

Vortrag von Professor Dr. Georg Steer

Dieser höfische Roman führt zurück in die Zeit an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert, als auf dem politisch gesellschaftlichen Hintergrund des Lehnswesens für kurze Zeit das Rittertum als Träger der weltlichen Kultur auftrat. Nur aus dem Ordogedanken des Lehnrechts wird die ritterliche Ethik mit ihrer eigenen Werteordnung verständlich. Die Selbsterfahrung des ritterlichen Standes führte zur Entfaltung eines eigenen Humanitätsideals mit Werten wie Ehre, Würde, Zucht, Maß, Treue, Beständigkeit und Mildtätigkeit, die für alle Ritter erstrebenswert wurden.

Wolfram, als fränkischer Ministeriale in den Diensten der Herren von Wertheim, Wildenberg und Thüringen, verfasste auf seiner Stammburg in der Nähe von Ansbach Anfang des 13. Jahrhunderts den „Parzival“, in dem er den äußeren und inneren Werdegang Parzivals vom Artusritter zum Gralsritter schildert und ihn zum zeitlos gültigen Idealbild eines ritterlichen Menschen erhebt.