Vortrag "Ewige Jugend - würdelos altern?"

Datum: 
Donnerstag, 10. Juni 2010

Je älter die Menschen werden, desto mehr wird über die Probleme nachgedacht, die das unserer Gesellschaft bereitet. Bereits Cicero stellt in seiner Schrift „Cato der Ältere über das Alter“ fest, dass auch der ältere Mensch sich noch durch alle Vorzüge eines reifen Mannes auszeichnen kann, nämlich durch Würde, gewichtigen Ernst und respekteinflößendes Ansehen. Um diesen Zustand zu erreichen oder zu erhalten schlägt er verschiedene Aktivitäten vor, so zum Beispiel das Engagement für das Gemeinwohl in Ehrenamt und Bürgergesellschaft als Ausgleich für den Verlust von Macht und Einfluss nach dem Ende der beruflichen Tätigkeit. Bereits vor 2000 Jahren benennt er die Hauptaufgaben des Älteren mit dem, was wir heute mit einem dreifachen L zusammenfassen:

• Laufen
• Lernen
• Lieben

Und heute? 
Übersteigerter Jugendkult trifft auf das durchaus gewachsene Selbstwertgefühl der so genannten „Baby-Boomer“, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurden. Diese Altersgruppe ist die reichste Generation, die wir in Deutschland je hatten. Nur 17 Prozent der über 50-jährigen fühlen sich so alt, wie sie sind. Die Hälfte von ihnen macht sich lieber ein schönes Leben, statt ihr ganzes Geld für ihren Nachwuchs zu sparen, und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung treiben sie am meisten Sport.
Wo bleibt da die Würde des Alters? Nach Meinung vieler Deutschen bleibt es jenen vorbehalten, in Würde und Ruhe zu altern, die wirklich als „alt“ gelten - alle jenseits 75. Und das Modell des Berufsjugendlichen, wie es ein Dieter Bohlen kultiviert, wird es in Zukunft weiter geben.

Dipl.-Psychologin Luitgard Jany

ist seit über 30 Jahren in den Bereichen Gesundheitspsychologie, Krisenintervention und Kurzzeitpsychotherapie tätig.
Sie sammelte Erfahrungen in der Therapie und Beratung von Krebspatienten zunächst in San Francisco und führte entsprechende Programme nach Adaption an deutsche Verhältnisse seit 18 Jahren in Würzburg fort. Seit 12 Jahren verlegte sie den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit zunehmend auf Supervision und Coaching z.B. im Hospizverein Würzburg und überregional für Ärzte und Pflegekräfte.
In ihrer psychologischen Privatpraxis befasst sie sich mit der Krisenintervention, aber auch Problemen der Unternehmensnachfolge bei mittelständischen Unternehmen.

Im Jahr 2009 erschien das Buch „Hallo Ruhestand“, das sie zusammen mit Peter Collier, dem früheren Geschäftsführer des unterfränkischen Einzelhandelsverbandes und ihrem Ehemann Prof. Dr. med. Bertold Jany, Chefarzt für Innere Medizin verfasst hat. Darin behandeln die Autoren eine Fülle von Aspekten des Vortragsthemas mit lockerer Feder, ohne jedoch in Plattheiten oder Gemeinplätze zu verfallen!