Dem Namensgeber auf der Spur Prof. Dr. Werner Wilhelm Schnabel referierte über Simon Höchheimer

Datum: 
Mittwoch, 16. Februar 2011

Ein großer interessierter Kreis von Bürgerinnen und Bürgern fand sich zum 1. Vortrag der Simon-Höchheimer-Gesellschaft Veitshöchheim im Jahr 2011 ein. Prof. Dr. Werner Wilhelm Schnabel, Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft am Department Germanistik und Komparatistik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erläuterte auf Einladung des Kulturvereins im Sitzungssaal des Veitshöchheimer Rathauses Einstellung und Wirken des Vereinsnamensgebers, des jüdischen Veitshöchheimer Arztes Simon Höchheimer.
Im Mittelpunkt stand hierbei seine letzte Schrift „Skizzen meines frühern Lebens ...". Dieses Werk ist entgegen seinem Titel ein Stammbuch, das Höchheimer in einem Alter von 80 Jahren in einer Zeit veröffentlichte, als die Herausgabe derartiger Alben schon ziemlich unzeitgemäß war. Geprägt war dieses literarische Werk von der Intention Höchheimers seine Stellung und sein Lebenswerk in der jüdischen Gemeinde Fürths als unermüdlicher Verfechter der Aufklärung zu festigen. Aus der Sicht Höchheimers ein durchaus legitimes Unterfangen, das jedoch laut Prof. Schnabel durch die Heraushebung und bevorzugte Behandlung der Einträge christlicher Amtsträger und Ordensgeistlicher innerhalb der orthodoxen jüdischen Gemeinde, auf deren Unterstützung Höchheimer in seinen letzten Lebensjahren angewiesen war, kein besonderes Verständnis hervorrief.
Prof. Schnabel stellte zudem heraus, dass bis heute trotz des umfangreichen Werks Höchheimers in seinem Stammbuch einige bibliographische Lücken vorherrschen, etwa über seine belegte Zeit in Böhmen, Mähren und Wien. Gerade auch in seinem letzten Werk kommt laut Prof. Schnabel das durchaus gesunde Selbstwertgefühl, ja gar die Eitelkeit, des Mediziners zum Ausdruck, die angesichts der Lebensumstände aber nicht überbewertet werden sollte, da ein gewisses Maß an „zur Schau gestellter Wichtigkeit" einem Juden zur damaligen Zeit das Überleben sicherte. Der Vorsitzende der Simon-Höchheimer-Gesellschaft, Rudolf Gabler, dankte dem Referenten für die neuen Einblicke in Leben und Wirken des Namensgebers und verabschiedete Prof. Dr. Schnabel mit Sonnenstrahlen in fränkischer Flaschenform - allerdings erst nach einer ausgiebiger Diskussion.