Veranstaltungen 2009

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Frau Anni Jost und die Exkursionsteilnehmer vor dem jüdischen
Friedhof in Altengronau

Altbürgermeister Roland Metz und die Exkursionsteilnehmer in der
Goldgasse in Arnstein


 


 

Brot für die Welt
Dr. Ursula Rdest hielt einen Vortrag bei der SHG über den Hunger in der Welt, die Chancen der Biologie und das Schreckgespenst Gentechnik
Ein existenzielles Thema bewegte diesmal die zahlreichen Zuhörer im Veitshöchheimer Sitzungssaal: Frau Dr. Ursula Rdest, Akademische Direktorin am Lehrstuhl für Mikrobiologie der Universität Würzburg, hatte sich nicht weniger vorgenommen, als anhand von Beispielen die Ursachen von Hunger und Überernährung in der Welt aufzuzeigen und gleichwohl Wege der Biologie zur Bekämpfung dieser Fehlentwicklungen darzustellen.
Die überraschende Analyse von Dr. Rdest gipfelte im der scheinbar paradoxen Feststellung, dass eigentlich weltweit genügend Lebensmittel vorhanden sind. Unabhängig von den wirtschaftlichen Ungleichgewichten, die zu einer mangelhaften Verteilung dieser Lebensmittel weltweit führt ist das aus biologischer Sicht eigentliche Problem ein anderes. In den „Hungerregionen" sind die Ernteverluste viel zu groß und betragen teilweise 50 % einer Jahresernte.
Dies müsse auch der Ansatzpunkt der Biologie sein. Durch den Einsatz einer Vielzahl von Arten, genauestens auf Klima und die Umweltverhältnisse abgestimmt, könne der Ertrag maximiert und auf den „Hungermärkten" selbstproduzierte Lebensmittel der Kleinbauern angeboten werden. All diese Arten existierten bereits, zum Teil seit tausenden von Jahren, so wie der von den Maya kultivierte Mais. Allerdings würden gerade in der westlichen Welt durch die Monokulturen nur noch einzelne Arten verwendet, die entsprechenden Ertrag nur mit Düngung und Pflanzenschutz erreichen - für Afrika oder Südostasien ist dies nicht finanzierbar und nicht zu erwirtschaften.
Ein weiteres Problem ist ein Bildungsproblem. Gerade in den beiden genannten Regionen sei das Wissen um fortschrittliche Ackerbaumethoden gering bis gar nicht ausgeprägt. Zudem stehe die Kultur oft Neuerungen im Weg. Ein Beispiel ist der Goldreis, eine speziell für Kleinbauern optimierte und gezüchtete Reissorte, dessen einziger „Makel" ist, dass sie gelbe statt weißer Reiskörner hervorbringt. Und deshalb wird sie von den Bauern nicht akzeptiert.
Frau Dr. Rdest erläuterte anschließend genauestens die Vorgehensweise bei der gentechnischen Veränderung von Pflanzen und forderte wenigstens eine Versachlichung der weltweiten Diskussion zu diesem Thema. Nach einer regen Diskussion, insbesondere zur Frage der Gentechnik, bedankte sich der Vorsitzende der Simon-Höchheimer-Gesellschaft, Rudolf Gabler, und entließ die Zuhörer, die mit neuen Gedanken und sicherlich auch neuen Argumenten zum Thema ausgerüstet waren.

 


 

 

Die Bücherei im Bahnhof veranstaltet zusammen mit der Simon-Höchheimer-Gesellschaft einen Leseabend
am 02. September 2009 um 20 Uhr

"Täubele, mein geliebtes Täubele.
Jüdische Geschichten"
von Schraga Har-Gil




Schraga Har-Gil wurde 1926 in Würzburg als Paul Philipp Freudenberger geboren. 1935 flohen seine Eltern mit ihm
und seinem Bruder nach Palästina. Der Vater wurde als Jude und Sozialdemokrat von der Gestapo gesucht und sollte
ins KZ Dachau gebracht werden, wurde aber rechtzeitig von einem Freund, dem Polizeikommandanten
von Würzburg, gewarnt.

2004 erschien sein Buch „Alte Liebe rostet nie“ über seine Würzburger Kindheit zu Beginn der Nazi-Ära, 2006
„Der schöne Busen der Nachbarin – Geschichten aus Israel“ im Verlag Königshausen & Neumann.
Heute lebt er mit seiner Frau Ulla Gessner in Tel Aviv und Würzburg.
Er liest zusammen mit seiner Frau in deutscher Sprache.

Eintritt: 5 €, Karten an der Abendkasse

 


 


Simon-Höchheimer-Gesellschaft lädt ein am Samstag, den 23. Mai um 15:45 Uhr zur Besichtigung der Bayerischen Landesausstellung

Die Simon-Höchheimer-Gesellschaft hat für ihre Mitglieder und Freunde eine Führung durch die Bayerische Landesausstellung
„Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“ in der Residenz organisiert.


 
 
 

Mittwoch, 29. April 2009, 20 Uhr

Sitzungssaal des Veitshöchheimer Rathauses · Eintritt frei!


Vortrag von Prof. Dr. Norbert Richard Wolf

Was kann, soll und darf Mundartdichtung ?


Dialekt, wissenschaftlich betrachtet

Gelungener Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Norbert Richard Wolf bei der Simon-Höchheimer-Gesellschaft Veitshöchheim am 29.04.09

Wieder einmal gesellten sich zahlreiche Mitglieder und Gäste in den Sitzungssaal der Gemeinde Veitshöchheim zu einem ganz besonderen Vortrag. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Norbert Richard Wolf, emeritierter Professor der Universität Würzburg und Projektleiter des „Unterfränkischen Dialekt Instituts“, unterhielt die aufmerksamen Zuhörer mit der Frage „Was kann, soll und darf Mundartdichtung?“

Als gebürtiger Salzburger wollte der Referent die 60 Zuhörer nicht mit seiner Interpretation fränkischer Gedichte, nach eigenem Bekunden „malträtieren“ und deshalb trug seine wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dr. Monika Fritz-Scheuplein, als original fränkisch sprechende Rhönerin, die entsprechenden Werke vor.

Als Einstieg in das Thema analysierte Wolf einige Zeilen aus einem Gedicht des früheren Kirchlauterer Bürgermeisters Peter Kirchner, in denen dieser die Schönheit seiner Heimat rühmt und dabei finden sich so urfränkische Wörter wie „Augnweid, a hamisch Gfühl oder Haimätstolz“. Allein diese Beispiele zeigen, so Wolf, dass es sich hierbei vielfach nicht um Dialekt, sondern um hochsprachlich gedachten, jedoch mühsam in mundartlicher Form gefassten Kitsch handelt.

Dies wäre nicht weiter beachtlich, erwüchse nicht aus dieser Art Dichtung ein politisches Problem: Der Dialekt - in Form der schriftlich fixierten Mundartdichtung - kann aber auch durchaus gefährlich sein, denn er vermittelt Nähe, Heimat und Vertrautheit. Gerade politische Botschaften lassen sich so „verpackt“ wirkungsvoll verbreiten. Selten handelt es sich dann jedoch um wirkliche Mundart, sondern um Kunstsprache als Mundart getarnt.

Kritisch beäugte Wolf in diesem Zusammenhang die Rezeption des fränkischen Heimatdichters Nikolaus Fey, nach dem auch in Veitshöchheim eine Straße benannt ist. Diesen empfindet er nicht als Vorbild, nutzte er doch während des Nationalsozialismus, entgegen landläufiger Meinung, durchaus seine Mundartdichtung zu unverhohlener “Blut- und Boden“- Propaganda. Zwar habe Fey durchaus ein beachtenswertes Werk hinterlassen und viele Menschen begeistert – doch tauge er nach Ansicht Wolfs, ohne ihn billig verurteilen zu wollen, nicht als Namensträger von Schulen oder Straßen.

Als bedenkenswertes Resümee gab Wolf ein Zitat den Zuhörern folgendes auf den Weg: „Dialektdichtung als verfremdete hochsprachliche Dichtung (kann) geradezu gefährlich werden…. In gewissem Sinn halte ich jede volkstümliche Dichtung für gefährlich. Schon Bert Brecht hat das gewusst:

Da das Instrument verstimmt ist
Sind die alten Notenbücher wertlos
Und so braucht ihr einige neue Griffe
(…)
Wenn wir vor den Unteren bestehen wollen
Dürfen wir nicht volkstümlich schreiben
Das Volk
Ist nicht tümlich.“


Im Anschluss an die Diskussion überreichte der Vorsitzende der Simon-Höchheimer-Gesellschaft, Rudolf Gabler, dem Referenten noch Veitshöchheimer Sonnenschein, eingefangen im Bocksbeutel zum Dank für interessante Einblicke in das faszinierende Reich des Dialekts.

Die 1995 gegründete Simon-Höchheimer-Gesellschaft ist ein Kulturverein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, dass kulturelle Angebot der Gemeinde Veitshöchheim zu bereichern, das jüdische Museum zu fördern und einen Beitrag zum Verständnis jüdischer Kultur und Religion zu leisten. Seitdem haben eine Fülle von Veranstaltungen die Simon-Höchheimer-Gesellschaft zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Veitshöchheim und der gesamten Würzburger Region werden lassen.


 

Freitag, 16. Januar 2009 

Sitzungssaal des Veitshöchheimer Rathauses · Eintritt frei!

 

Vortrag

des Geschäftsführers der Rückert-Gesellschaft: 

Dr. h. c. Rudolf Kreutner:

 

Friedrich Rückert - Leben und Werk

 

Geburtshaus von Friedrich Rückert in Schweinfurt

Friedrich Rückert, Dichter und Sprachgelehrter (geb. 1788 in Schweinfurt, gest. 1866 in Neuses bei Coburg), hat ein umfangreiches Werk, darunter 20.000 Gedichte, hinterlassen. Hans Wollschläger (1935–2007) und Rudolf Kreutner (Jahrgang 1954) ist zu verdanken, dass die historisch-kritische Edition der Werke Rückerts (Schweinfurter Edition) auf den Weg gebracht werden konnte, die bis heute auf 11 Bände angewachsen ist und letztlich 48 Bände umfassen wird.

Rückert, sein hoher Rang als Sprachgelehrter ist bis heute unumstritten, war von 1826 bis 1841 Professor für Orientalische Philologie an der Universität Erlangen und anschließend bis 1848 an der Universität Berlin. Er leistete den wesentlichen Beitrag zur Rezeption orientalischer Literatur im 19. Jahrhundert, vor allem durch Übersetzungen und Nachdichtungen aus der arabischen, persischen und Sanskrit-Literatur. Hohen Bekanntheitsgrad erlangte er durch seine Gedichte wie „Liebesfrühling“ oder die zum Teil von Gustav Mahler vertonten „Kindertodtenlieder“, in denen Rückert seine Trauer über den Verlust zweier seiner Kinder zu verarbeiten suchte.

 

Rückert-Denkmal in Schweinfurt

Rudolf Kreutner, Autor zahlreicher Fachbeiträge und -bücher zur Literatur- und Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts, wurde 2006 für seine wissenschaftlichen Verdienste von der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Er wird anhand des Werkes in das Leben und Schaffen von Friedrich Rückert einführen, den Golo Mann (1909–1994) »einen der liebenswerte­sten unter den deutschen Dichtern« nannte.

 


Zäsur bei den Neuwahlen

Rudolf Gabler ist neuer Vorsitzender der Simon-Höchheimer-Gesellschaft Veitshöchheim
Zur Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen hatte die Simon-Höchheimer-Gesellschaft (SHG) Veitshöchheim in den Sitzungssaal der Gemeinde geladen. Der Kulturverein, der den Namen des aus Veitshöchheim stammenden, jüdischen Aufklärers trägt und sich der Synagoge und dem Kulturmuseum besonders verschrieben hat, begrüßte vor kurzem sein 100. Mitglied.
Überschattet wurde die Veranstaltung vom Tod des stellvertretenden Vorsitzenden Karlheinz Schmeller im Dezember. Seine Ehefrau, die bisherige Vorsitzende Radegundis Villinger-Schmeller trat nicht mehr zur Neuwahl an. Sie hatte bereits im Vorfeld mitgeteilt, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nach 7 Jahren im Amt nicht mehr zur Verfügung stehe.
„Die Simon-Höchheimer-Gesellschaft (SHG) ist Frau Schmeller und ihrem Mann zu großem Dank verpflichtet. Wir möchten die Gesellschaft in ihrem Sinne weiterführen.“ Mit diesen Worten würdigte die stellvertretende Vorsitzende Dr. Irma Wehgartner die Verdienste des Ehepaars Schmeller um den Verein.
Auch Bürgermeister Rainer Kinzkofer honorierte das bisherige Engagement der zwar kleinen, aber feinen Gesellschaft, die nun schon im 14. Jahr mit Vorträgen, Exkursionen zu Kulturgütern und ihren Sommerkonzerten in der Landesanstalt das kulturelle Angebot Veitshöchheims bereichere.
Auf Vorschlag des alten Vorstands erklärte sich Herr Rudolf Gabler bereit, den Vorsitz des renommierten Vereins zu übernehmen.
Herr Gabler stellte sich kurz vor: er lebt seit über 30 Jahren in Veitshöchheim, war als Dipl.-Ing. (TU) in verschiedenen Aufgabenfeldern bei der Stromversorgung der Deutschen Bundesbahn und der früheren ÜWU-AG tätig, zuletzt als Geschäftsführer der regionalen Kabelfernsehgesellschaft ÜWU Mediendienste GmbH. Mit dem Eintritt in den Ruhestand hat er endlich wieder die Möglichkeit, sich seinen Passionen zu widmen, nämlich der Geschichte und der klassischen Musik. Die Mitarbeit in einem Verein, der sich dem Erbe eines bedeutenden jüdischen Aufklärers verschriebenen hat, sieht er als ideale Gelegenheit an, persönliche Neigungen und Mitarbeit am Kulturleben Veitshöchheims zu verknüpfen. Es wird sicherlich schwierig sein, den Maßstäben gerecht zu werden, die durch die herausragende Arbeit von Frau und Herrn Schmeller gesetzt sind. Er ist jedoch zuversichtlich, mit der Unterstützung aller Mitglieder der SHG und insbesondere in Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde, deren Unterstützung Herr Bürgermeister Kinzkofer ausdrücklich versicherte, die SHG kontinuierlich fortentwickeln zu können. Als einen ersten Schritt will er die Möglichkeiten ausloten, die Synagoge und das angeschlossene Museum in das Förderprogramm LEADER der LAG „Wein, Wald, Wasser“ mit Sitz in Thüngersheim einzubringen. Die LAG plant derzeit ein vernetztes Programm „Landjudentum in der Region“, in dem Einzelmaßnahmen wie die Synagoge in Arnstein und der Judenfriedhof in Himmelstadt bereits fest eingeplant sind.
Das Ergebnis der Wahlen: Vorsitzender Rudolf Gabler, Stellvertreter Dr. Irma Wehgartner und Marc Zenner, Schatzmeister Dieter Scheckeler, Schriftführerin Marianne Beinhofer, Beiratsmitglieder Bettina Baier und Dr. Wildmeister.

Der neue Vorstand der Simon-Höchheimer-Gesellschaft Veitshöchheim:
Stellvertretender Vorsitzender Marc Zenner (v.l.), die Referentinnen Dr. Monika Wildmeister und Bettina Beier, die stellvertretende Vorsitzende Dr. Irma Wehgartner, der Vorsitzende des Vereins Rudolf Gabler, die Schriftführerin Marianne Beinhofer und Schatzmeister Dieter Scheckeler.